Stile mit Geschichte – Folge 1: Pils – Wie ein böhmisches Bier die Welt eroberte

Veröffentlicht am 16. Januar 2026 um 00:01

Pils – Wie ein böhmisches Bier die Welt eroberte

Ursprung: Pilsen, Böhmen – 1842

Mitte des 19. Jahrhunderts stand es schlecht um das Bier in der Stadt Plzeň (Pilsen). Die Biere waren oft ungenießbar – sauer, trüb, ungleichmäßig vergoren. Die Bürger gründeten daraufhin eine neue Brauerei: die „Bürgerliche Brauerei“, heute bekannt als Pilsner Urquell.

Deren erster Braumeister war Josef Groll, ein Bayer mit Erfahrung im untergärigen Brauen. Er kombinierte:

  • das weiche Pilsner Wasser,
  • helles Malz nach englischem Vorbild (damals technologisch neu!),
  • edlen Saazer Hopfen aus dem böhmischen Anbaugebiet,
  • und untergärige Hefe aus Bayern.

Am 5. Oktober 1842 wurde das erste Fass angestochen – das erste klare, goldene, hopfenbetonte Lagerbier der Welt. Die Menschen waren begeistert. Groll reiste bald zurück nach Bayern, doch sein Rezept blieb – und wurde zur Blaupause eines globalen Bierstils.


Vom Regionalbier zum Welterfolg

Was in Pilsen begann, wurde binnen weniger Jahrzehnte zum weltweit meistgebrauten Bierstil:

  • In Deutschland wurde das Pils (häufig als „Pilsener“ bezeichnet) schnell zur beliebtesten Sorte – insbesondere im Norden.
  • In Tschechien blieb das ursprüngliche „Pilsner“ meist etwas malziger, runder und süffiger.
  • In den USA wurde das Pils zur Basis der dortigen „Lager“-Biere – allerdings oft industriell verwässert.
  • Heute ist über 90 % des weltweit produzierten Biers dem Pilsner-Stil verwandt – direkt oder abgewandelt.

Zutatenkunde & Stilistik

Zutat Typisch für Pils

Malz: Helles Pilsner-Malz – sorgt für die goldene Farbe

Hopfen: Edelhopfen (z. B. Saazer, Hallertauer Mittelfrüh) für Würze, Bittere, feine Aromen

Hefe: Untergärige Lagerhefe – kalte Gärung, saubere Vergärung

Wasser: Weiches Wasser – ideal für helle Biere mit Bittere

Merkmale:

  • Farbe: Hellgold bis strohgelb
  • Geschmack: Hopfenbetont, trocken, erfrischend
  • Alkohol: ca. 4,5–5,0 %
  • Bittereinheiten (IBU): 30–45, je nach Stilvariante

Varianten des Pils-Stils

Variante Beschreibung

Tschechisches Pils: Vollmundiger, weicher, mit feiner Restsüße

Norddeutsches Pils: Trocken, sehr bitter, schlank und herb

Süddeutsches Pils: Milder, malzbetonter, runder

Export-Pils: Oft stark gefiltert, weniger charaktervoll


 Fun Fact:

Der Begriff „Pils“ ist in Deutschland geschützt: Nur Biere mit dem Pilsner Brauverfahren dürfen sich so nennen. In Tschechien hingegen spricht man lieber vom „Ležák“ (Lager) oder bezieht sich direkt auf die Stammwürze: z. B. „Gambrinus 10°“.


Fazit:

Das Pils ist mehr als nur „ein helles Bier“ – es ist der Grundstein der modernen Lagerbiere weltweit. Entstanden aus Unzufriedenheit, veredelt durch Braukunst, und verbreitet durch technischen Fortschritt.

Wer Pils trinkt, genießt Geschichte im Glas – klar, bitter, und mit jahrhundertelanger Wirkung.

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