Stile mit Geschichte – Folge 5: Craftbier – Revolution aus der Brauküche

Veröffentlicht am 13. Februar 2026 um 06:01

Craftbier – Revolution aus der Brauküche

Herkunft & Entwicklung

Der Begriff „Craft Beer“ (bzw. „Craftbier“) ist kein fest definierter Bierstil – sondern eine Bewegung. Entstanden in den 1970er- und 1980er-Jahren in den USA, war sie die Antwort auf eine Bierlandschaft, die von großen, geschmacksarmen Industriebieren dominiert war.

Die ersten Microbreweries wagten den Gegenentwurf:

  • kleine Brauanlagen
  • traditionelle oder experimentelle Rezepte
  • Fokus auf Qualität, Geschmack & Individualität
  • oft in Handarbeit gebraut – also: „Craft“ = handwerklich

Einer der Pioniere war Fritz Maytag, der mit Anchor Brewing (San Francisco) bewies, dass Hopfen und Malz mehr können als „Lager light“.

Was als Nischenrebellion begann, wurde zur internationalen Welle:
Heute gibt es weltweit Tausende Craftbrauereien – von Berlin bis Neuseeland, von Brooklyn bis Bamberg.


Was zeichnet Craftbier aus?

  • Unabhängige Brauerei (oft < 6 Mio. Hektoliter / Jahr)
  • Handwerkliche Brauweise, keine industrielle Massenproduktion
  • Innovative Stile, gern hopfenbetont, fassgereift oder fruchtig
  • Starker Markencharakter: Namen, Etiketten & Konzepte mit Persönlichkeit

Craftbier ist Haltung. Nicht alles, was „Craft“ draufsteht, ist automatisch gut – aber es steht für das Streben nach Geschmack, Vielfalt und Charakter.


Stile im Craftbier-Kosmos

Craftbrauer lieben es, bestehende Stile neu zu interpretieren oder zu übertreiben. Beliebt sind:

Stil Typisch für Craftbier:

  • IPA / Double IPA Sehr hopfenbetont, fruchtig, bitter, tropisch
  • Pale Ale Aromatisch, süffig, gut balanciert
  • Sour / Gose / Berliner Weisse Sauer, erfrischend, mit Frucht oder Salz
  • Stout / Imperial Stout Röstig, schokoladig, kräftig – oft >8 %
  • Hazy / NEIPA Trüb, saftig, „smooth“ – fast wie Fruchtsaft mit Alkohol
  • Barrel-Aged Ales In Holzfässern gereift, komplex, schwer

Craftbier in Deutschland

Nach anfänglichem Zögern kam Craftbier ab ca. 2010 auch in Deutschland an.
Besonders aktiv:

  • Berliner Szene (BRLO, Berliner Berg)
  • Franken & Bayern (Kehrwieder, Orca Brau, FrauGruber)
  • Rhein-Ruhr (Mashsee, Ale-Mania)

Die Herausforderung: Craft trifft hierzulande auf das traditionsbewusste Reinheitsgebot – aber viele Brauer zeigen, dass Innovation und Handwerk sich nicht ausschließen müssen.


Fun Fact:

In den USA ist Sierra Nevada Pale Ale das Craftbier schlechthin. In Deutschland war es lange „Crew Republic“, das mit frechen Namen wie „Drunken Sailor“ den Markt aufmischte.


Fazit:

Craftbier ist kein Stil – es ist eine Bewegung. Eine Haltung. Ein Bekenntnis zum Geschmack, zur Vielfalt und zum Experiment.
Egal ob hopfenlastig, sauer oder tiefdunkel: Craftbier bringt frischen Wind in alte Biertraditionen – und erinnert uns daran, dass Braukunst immer auch Freiheit bedeutet.


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