Stile mit Geschichte – Folge 17: Kottbusser – Süß, verbotenerweise

Veröffentlicht am 8. Mai 2026 um 04:25

Kottbusser – Süß, verbotenerweise

Herkunft & Geschichte

Das Kottbusser Bier stammt – wie der Name verrät – aus der Stadt Cottbus in der Niederlausitz (damals auch „Kottbus“ geschrieben). Es war im 18. und 19. Jahrhundert ein beliebtes Bier in der Region – und darüber hinaus bekannt für seinen süffigen, milden Charakter.

Das Besondere: Es wurde nicht nach dem Reinheitsgebot gebraut. Neben Gerste kamen auch Weizen, Hafer, Honig und Zucker zum Einsatz.
Das machte es geschmacklich rund, leicht süßlich und besonders sättigend – fast wie ein Mix aus Bier und alter Bauerntradition.

Mit der Vereinheitlichung der Biergesetze verschwand der Stil fast völlig – weil er verboten wurde.
Erst in der Neuzeit haben einige Craft- und Kleinstbrauereien das Kottbusser wiederbelebt – mit Sondergenehmigung oder als „historisches Bier“.


Was macht das Kottbusser besonders?

  • Es kombiniert Gerste, Weizen und Hafer – ungewöhnlich für klassische Biere
  • Es enthält Honig und/oder Zuckerrüben- oder Rohrzucker
  • Es ist obergärig, süffig, samtig, leicht fruchtig und nicht bitter
  • Es war praktisch verboten – und wurde fast vergessen

Zutaten & Stilistik

Zutat Typisch für Kottbusser

  • Malz Gersten-, Weizen- und Hafermalz – oft hell bis bernsteinfarben
  • Hopfen Nur dezent – der Malzkörper steht im Vordergrund
  • Zucker/Honig Für Gärung & Restsüße – heute oft aus Bioquellen
  • Hefe Obergärig – Ale-Hefen mit leicht fruchtigem Profil
  • Wasser Weich – rundet die Milde ab

Merkmale:

  • Farbe: Gold bis helles Bernstein
  • Geschmack: Malzig, mild, mit Honignoten, cremig
  • Alkohol: ca. 5,0–5,5 %
  • Bitterkeit: sehr gering (ca. 10–15 IBU)
  • Mundgefühl: weich, samtig, fast wie ein Dessertbier

Aktuelle Vertreter (selten, aber wieder da!)

  • BrauKunstKeller Kottbusser – Craft-Nachbau mit regionalem Honig
  • Vagabund Brauerei Berlin – Experimental-Version
  • Kreativbrauer (homebrew) – in Hobbykreisen beliebt
  • Sondereditionen kleiner Brauereien – oft als „historisches Bier“ deklariert

 Fun Fact:

Im 19. Jahrhundert war das Kottbusser so beliebt, dass es bis nach Berlin exportiert wurde.
Ein Zeitgenosse schrieb:

„Der feine, helle Trunk mit süßer Blume – wie geschaffen für den Frühling.“


Fazit:

Kottbusser ist ein Bier, das nie hätte verschwinden dürfen.
Es zeigt, dass Vielfalt in der Braukunst schon lange existierte – und dass Regeln manchmal verhindern, was gut schmeckt.

Ein Bier für Neugierige, Genießer – und alle, die sich gern an das erinnern, was fast verloren ging.


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