Lohnbrauen – Wenn Bier nicht dort gebraut wird, wo es draufsteht

Veröffentlicht am 25. September 2026 um 04:20

Viele Bierfreunde gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass ein Bier immer in der Brauerei hergestellt wird, deren Name auf dem Etikett steht. Doch das ist nicht immer der Fall. In der Brauwelt gibt es das sogenannte Lohnbrauverfahren, auch als „Fremdbrauen“ bekannt.

Was bedeutet Lohnbrauen?

Von Lohnbrauen spricht man, wenn eine Brauerei ein Bier im Auftrag einer anderen Brauerei herstellt. Das geschieht häufig dann, wenn die auftraggebende Brauerei keine eigene Brauanlage mehr besitzt, ihre Produktion eingestellt hat oder bestimmte Bierstile selbst nicht herstellen kann.

Das fertige Bier wird anschließend unter dem Namen der Auftraggeber-Brauerei verkauft. Für den Verbraucher ist oft gar nicht auf den ersten Blick erkennbar, dass das Bier an einem anderen Ort gebraut wurde.

Warum nutzen Brauereien dieses Verfahren?

Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein:

  • Hohe Investitionskosten für neue Brauanlagen vermeiden
  • Fehlende Kapazitäten bei steigender Nachfrage
  • Herstellung spezieller Bierstile durch erfahrene Partner
  • Erhalt einer Marke trotz geschlossener eigener Braustätte

Für die produzierende Brauerei bringt das Verfahren ebenfalls Vorteile. Die vorhandenen Anlagen werden besser ausgelastet, wodurch sich die Produktionskosten häufig reduzieren lassen.

Schmeckt das Bier dann genauso?

Das ist eine interessante Frage – und die Antwort lautet: nicht unbedingt.

Auch wenn die Rezeptur meist unverändert übernommen wird, spielen viele Faktoren eine Rolle. Das Brauwasser, die technische Ausstattung, die Filtration oder sogar kleine Unterschiede im Produktionsablauf können den Charakter eines Bieres beeinflussen.

Manchmal bemerken Biertrinker kaum einen Unterschied. In anderen Fällen verändert sich das Bier deutlich – sowohl zum Positiven als auch zum Negativen. Es gibt sogar Beispiele, bei denen ein Bier nach der Verlagerung der Produktion von vielen Fans als besser empfunden wurde.

Lohnbrauen ist nicht gleich Abfüllen

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem eigentlichen Brauen und der Abfüllung.

Einige kleinere Brauereien brauen ihr Bier selbst, verfügen jedoch nicht über moderne Flaschen- oder Fassabfüllanlagen. In solchen Fällen wird lediglich die Abfüllung an einen anderen Betrieb vergeben. Das Bier selbst stammt weiterhin aus der ursprünglichen Brauerei. Von Lohnbrauen spricht man dann nicht.

Fazit

Lohnbrauen ist in der Bierbranche weit verbreitet und keineswegs etwas Ungewöhnliches. Für manche Brauereien ist es eine wirtschaftliche Notwendigkeit, für andere eine Möglichkeit, ihre Marke am Leben zu erhalten. Entscheidend bleibt am Ende die Qualität im Glas. Denn egal, wo ein Bier gebraut wird – der Geschmack entscheidet darüber, ob es die Bierfreunde überzeugt.

Malzfreunde-Tipp: Wer neugierig ist, sollte bei seinem Lieblingsbier einmal einen Blick auf die Herkunftsangabe werfen. Manchmal verbirgt sich hinter einer bekannten Marke eine ganz andere Brauerei als erwartet.

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