Kellerbier – Der Schatz aus dem Fasskeller
Herkunft & Geschichte
Das Kellerbier, auch Zwickel genannt, gehört zu den ältesten Bierstilen Mitteleuropas – und ist ein echtes Kind der Lagerkeller. Bevor es industrielle Filtration und Pasteurisierung gab, war Bier stets naturtrüb – und wurde direkt aus dem Reifekeller serviert.
Der Begriff „Kellerbier“ verweist genau darauf: Auf ein unfiltriertes, junges Bier, das aus dem Lagerkeller gezwickelt wurde – also direkt aus dem Lagertank oder Fass. Das „Zwickeln“ ist der Name für das Probieren vom Lagertank, ein Brauereibegriff.
Vor allem in Franken und der Oberpfalz wurde diese Tradition zur Kunstform: Zahlreiche kleine Familienbrauereien brauen ihr Kellerbier noch heute nach überlieferten Rezepten – oft in offenen Gärbottichen und mit natürlichen Zutaten.
Tradition mit Charakter
Ein gutes Kellerbier ist naturtrüb, weich, vollmundig – und hat diesen ganz eigenen, oft leicht nussigen Geschmack, der von frischer Hefe, Malz und sanftem Hopfen geprägt ist. Es wird meist nicht pasteurisiert, nicht filtriert und hat dadurch einen lebendigen Charakter.
Zutaten & Brauweise
Zutat Typisch für Kellerbier
- Malz: Meist helles Gerstenmalz, manchmal auch etwas Münchner Malz für Farbe
- Hopfen: Regional: z. B. Hallertauer oder Tettnanger – mild-aromatisch
- Hefe: Untergärig – bleibt oft in Schwebe im Bier
- Wasser: Weich bis mittelhart – wichtig für die Balance
Merkmale:
- Farbe: Gold bis bernsteinfarben, oft leicht trüb
- Geschmack: Mild, süffig, leicht hefig, malzaromatisch
- Alkohol: 4,8–5,5 %
- Kohlensäure: etwas weniger als bei filtrierten Lagerbieren
- Bitterkeit: niedrig bis moderat (15–30 IBU)
Varianten
Stil Beschreibung
- Helles Kellerbier Süffig, mild, trüb – meist fränkisch oder bayrisch
- Dunkles Kellerbier Etwas malziger, kräftiger, bernsteinfarben
- Zwickelbier Sehr junges Kellerbier – oft direkt vom Lagertank
- Zoigl (Oberpfalz) Kommunales Kellerbier – aus dem gemeinsamen Sudhaus
Bekannte Vertreter & Empfehlungen
- Mönchshof Kellerbier – Klassisch, fränkisch, mild
- Ayinger Kellerbier – Urtypisch mit dezentem Hopfen
- Greif Kellerbier (Forchheim) – Süffiger Geheimtipp
- Mahrs Bräu Ungespundet – Legendär in Bamberg
- Zoiglbier (aus der Oberpfalz) – wechselnde Braustellen, echtes Kulturgut
Fun Fact:
In vielen fränkischen Brauereien ist das Kellerbier nur vor Ort erhältlich – im Wirtshaus, Biergarten oder direkt am Brauereitor. Das macht den Stil zum regionalen Schatz, der oft nur im direkten Genuss wirklich erlebt werden kann.
Fazit:
Das Kellerbier ist ein Bier wie aus einer anderen Zeit – unfiltriert, ehrlich, ungekünstelt.
Es bringt uns zurück zu den Ursprüngen des Brauhandwerks – dorthin, wo Bier noch aus Holzfässern kam, leicht trüb war, und nicht perfekt sein musste, um wunderbar zu schmecken.
Ein echtes Bier für Genießer, die das Handgemachte, Echte und Erdige suchen.
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