Englische Brauereibesitzerin, Tagebuchschreiberin und stille Pionierin
Wer war sie?
Mary Hardy war die Ehefrau eines Mälzers und Brauers in Norfolk (Ostengland). Zwischen 1773 und 1809 führte sie ein akribisches Tagebuch. Sie schrieb Tag für Tag, über Jahrzehnte hinweg. Was sie dabei dokumentierte, ist ein Schatz für die Sozial- und Biergeschichte.
Ihr Tagebuch – ein Blick ins Brauhandwerk des 18. Jahrhunderts
Mary Hardys Aufzeichnungen sind bemerkenswert, weil sie:
- Detailreich den Alltag in einer ländlichen Brauerei schildern.
- Von der Bierproduktion über den Bierverkauf bis zur Bezahlung der Knechte alles erfassen.
- Auch das Wetter, Dorffeste, Krankheiten, Todesfälle
- und sogar Tratsch enthalten
Das Tagebuch umfasst über 500.000 Wörter und ist damit eine der umfangreichsten Quellen zur Alltagsgeschichte dieser Zeit.
Die Brauerei, die sie gemeinsam mit ihrem Mann William betrieb, versorgte zahlreiche Pubs und Kneipen der Region. Mary war dabei nicht nur Hausfrau, sondern zuständig für Buchführung. Sie war beteiligt an Entscheidungen zum Verkauf, Transport & Personal und stets präsent, wenn’s um Qualitätskontrolle & Kundschaft ging. Obwohl sie in einer Zeit lebte, in der Frauen rechtlich kaum eigenständig agieren durften, zeigt ihr Tagebuch das sie faktisch Geschäftsführerin auf Augenhöhe war.
Historiker nutzen Mary Hardys Aufzeichnungen als Schlüsselquelle zur vorindustriellen Brauwirtschaft. Ihr Werk zeigt, wie eng Landwirtschaft, Braukunst und Sozialleben miteinander verknüpft waren. Mary Hardy war keine Revolutionärin, keine Theoretikerin aber sie dokumentierte mit Sorgfalt, Ernst und klarem Blick ein Berufsleben, das sonst unsichtbar geblieben wäre. Dank ihr wissen wir heute, wie das ländliche Braugewerbe im England des 18. Jahrhunderts funktionierte, von Hopfensack bis Biertonne.
Sie war wahrscheinlich die erste Bierfrau mit einem eigenen Werk von historischem Rang.
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