Wer ist eigentlich Johann von Miquel?

Johann von Miquel war kein Bierpolitiker im engeren Sinne.
Er war Finanzminister – und einer der wichtigsten Steuerreformer des Deutschen Kaiserreichs.

Als preußischer Finanzminister prägte er ab den 1890er-Jahren das moderne Steuersystem entscheidend: Einkommensteuer, Gemeindefinanzen, staatliche Planungssicherheit. Bier spielte dabei keine Hauptrolle, und genau das ist der entscheidende Punkt.

Denn obwohl Bier bereits besteuert wurde, blieb es lange bewusst außerhalb großer Reichsreformen. Die Biersteuer war föderal organisiert, politisch sensibel und kulturell aufgeladen – besonders in Bayern. Ein zentraler Zugriff galt als riskant.
Von Miquel wusste das.

Seine Leistung bestand nicht darin, Bier neu zu besteuern oder zu „perfektionieren“, sondern darin, es unangetastet zu lassen, während er andere Steuerquellen systematisch modernisierte. Bier blieb stabil, verlässlich, berechenbar – und genau deshalb politisch wertvoll.

Damit steht von Miquel exemplarisch für einen nüchternen Umgang mit Bier in der Politik:
nicht als Genussmittel,
nicht als Symbol,
sondern als Faktor, den man nicht unnötig anfasst.

Die eigentliche Reichs-Biersteuer kam erst Jahre später – nach seiner Zeit, unter anderen politischen Vorzeichen.

Johann von Miquel hat dem Bier keinen Stempel aufgedrückt.
Er hat verstanden, warum man es besser liegen lässt.

Und manchmal ist genau das politische Klugheit.

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